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Fußball in Baden-Württemberg
Sonntag, 30. Juni 2013

Hermann Müller: Der Aufstieg in die Oberliga ist für Berg möglich

schwaebische.de

Der TSV-Vorsitzende über die erste Verbandsliga-Saison der Vereinsgeschichte –Neuzugänge: Tim Rainbow, Niki Deutelmoser, Fitim Osmani und Julian Krelowetz


Hermann Müller: Der Aufstieg in die Oberliga ist für Berg möglich

Hermann Müller (Foto: privat)

BERG / sz - Der TSV Berg holte sich in der abgelaufenen Saison mit einer beeindruckenden Leistung die Meisterschaft in der Fußball-Landesliga und schaffte damit den Aufstieg in die Verbandsliga. Berg ist damit hinter dem FV Ravensburg (Oberliga) die alleinige Nummer zwei im Schussental. SZ-Redakteur Alexander Tutschner unterhielt sich mit Hermann Müller, dem 1. Vorstand, über den TSV und die Zukunftspläne des Vereins.

Herr Müller, man sagt die Berger sind gut im Feiern, wie haben Sie die Aufstiegsparty überstanden?

Müller: Gut. Die Feier war überwältigend. Der Höhepunkt waren der Empfang bei Bürgermeister Helmut Grieb auf dem Rathausbalkon und ein Autokorso. Am Ende feierten 300 Leute auf dem Fußballplatz, das ist für uns schon außergewöhnlich. Alle Freunde, Fans und Sponsoren waren da, Musikverein, Bergfesttrommler und die ganze Gemeinde.

Sie sind mit der Favoritenrolle gestartet, zwischendurch sah es nicht so gut aus. Hatten Sie Angst, dass es mit der Meisterschaft nach drei gescheiterten Versuchen wieder nicht klappt?

Nein. Wir hatten den Vorteil, dass wir uns selbst wenig Druck gemacht haben. Wir wussten, dass wir eine gute Mannschaft haben. Aber nach dem Abgang von Silvio Battaglia hatten wir keine echte Spitze und mussten das Toreschießen auf viele Schultern verteilen. Das kostet den einen oder anderen Punkt. Außerdem ist unsere Nummer eins im Tor, Haris Mesic, mehrere Wochen lang ausgefallen. Das waren die Gründe, warum es zwischendurch schwer war. Aber der Charakter der Mannschaft hat dann den Unterschied gemacht. Die Jungs haben gespürt, es geht, und haben es dann durchgezogen.

Bleibt die Mannschaft zusammen?

Bis auf Marvin Igel, der schwer verletzt war, bleiben alle Mann in Berg. Das ist eine gute Voraussetzung für die neue Saison.

Wie wollen Sie die Mannschaft verstärken?

Da tun wir uns schwer. Spieler zu finden, die Verbandsliga-Niveau haben, ist in der Region nicht einfach. Wir haben aber vier Neuzugänge, Stürmer Niki Deutelmoser kommt aus Fronhofen,Tim Robert Rainbow vom FV Ravensburg, Fitim Osmani und Julian Krelowetz vom SV Oberzell. Wir schauen, dass wir den 20er-Kader komplettieren. Wir machen das aber nicht mit der Brechstange.

Wie läuft die Suche nach einem Torjäger?

Das ist schwieriger, wir sind mit einigen in Kontakt.

Man hört, Sie suchen auch im Ausland...

Wenn die Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu Grunde gelegt wird, liegt der Gedanke nahe, junge Menschen aus Südeuropa in die Firma zu integrieren. Wenn diese zufälligerweise Fußballspielen können, ist die Synergie möglich. Wichtig ist jedoch, ein klares Konzept für die Eingliederung, was Sprache lernen, Ausbildung und so weiter betrifft. Die Verbandsliga ist keine Hobbyliga, wie schafft es ein so kleiner Verein, die Kosten zu stemmen?

Keine Frage, die Liga kostet Geld. Wir werden alleine durch die Busfahrten höhere Kosten haben. Wir müssen also im Bereich Sponsoring attraktiv sein und nachlegen, das gehört zu meinem Job, da sind wir mittendrin.

Sie hatten mit Adrian Philipp, Michael Wohlfarth und Patrick Singrün ein Trainer-Trio, wie geht es jetzt weiter?

Michael Wohlfahrth war bei uns, um Adrian Philipp zu helfen, weil dieser während seiner Referendariatszeit beruflich oft nicht verfügbar war. Philipp ist weiter unser Cheftrainer, Patrick Singrün bleibt Co-Trainer. Michael Wohlfahrth, der auch gesundheitlich etwas angeschlagen ist, wird uns nicht mehr als Trainer zur Seite stehen. Er bleibt aber Berger und wird uns im Hintergrund weiter helfen.

Wird Adrian Philipp weiterhin als Spieler auf dem Platz stehen?

Ja, natürlich. Er trainiert bereits, damit er für die Verbandsliga fit ist. Die Mannschaft braucht ihn. Er wird etwas an den Kilos arbeiten und auch in der Verbandsliga Akzente setzen.

Sie sollen mit Steffen Wohlfarth vom schottischen Erstligisten Ross County FC einen Top-Stürmer an der Angel haben?

Müller: An dem sind ja einige Vereine dran, er wäre ein Kandidat, aber eben erst, wenn er seine Karriere als Profi beendet. Es sieht jedoch so aus, dass er seine Laufbahn weiterführen will. Aber klar waren wir in Kontakt, sein Vater ist schließlich beim TSV.

Auch über die Rückkehr von Torjäger Silvio Battaglia wird immer wieder spekuliert...

Die Sache ist ganz einfach: Silvio hat einen Vertrag mit Option unterschrieben, und die hat der SC Pfullendorf gezogen. Ich finde es auch richtig, dass die Jungs lernen, ihre Verträge einzuhalten, auch wenn der Spieler sicher gerne zu uns zurückgekommen wäre.

Wie läuft es in der Jugendarbeit?

Müller: Wir investieren seit Langem kräftig in die Trainerausbildung. Wir versuchen, unten gut aufzubauen. In einer kleinen Gemeinde hat man immer Schwankungen. Wir haben von den Bambini bis zur A-Jugend alle Teams besetzt, es sind über 100 Jugendliche bei uns.

Die Reserve des TSV spielt in der Kreisliga A, fehlt hier nicht ein Unterbau für die Verbandsliga?

Hermann Müller: Hier ist der FV Ravensburg mit einer zweiten Mannschaft in der Landesliga top aufgestellt. Das ist aber auf dem Land nicht so leicht möglich. Wir haben in unserer Reserve aber sieben 20-Jährige drin – aus der eigenen Jugend, viele davon Studenten. Wir planen mittelfristig, mit der Zweiten in die Bezirksliga aufzusteigen und versuchen das mit der Jugend hinzubekommen.

Der FC Wangen zieht seine Zweite aus der Bezirksliga zurück...

Müller: Davon halte ich gar nichts. Ich war schockiert von der Entscheidung. Ein Verein hat auch eine soziale Aufgabe in der Gemeinde, man kann nicht nur eine Spitze ausbilden, man muss auch für die Breite und den Unterbau ein Angebot haben.

Wie sieht Ihr Saisonziel aus?

Müller: Mit der ersten Mannschaft möchten wir möglichst schnell in der neuen Liga ankommen. Nicht gegen den Abstieg spielen und ohne Druck im Mittelfeld landen. Es wird nicht so leicht, dass wir da gleich wieder oben angreifen können. In der Jugend wollen wir durchgängig alle Teams besetzen, mit der zweiten Mannschaft wollen wir mit den jungen Spielern in die Bezirksliga.

Da der FVR in die Oberliga aufsteigt, gibt es wieder kein Derby zwischen Berg und Ravensburg...

Natürlich hätten wir gerne ein Derby mitgenommen. Aber wenn man sieht, welche Arbeit der FV in den letzten Jahren geleistet hat und was es für die Region bedeutet, ist es natürlich genial, dass sie den Aufstieg geschafft haben. Genauso, dass Weingarten den Sprung in die Landesliga geschafft hat. Wenn wir nicht mehrere Clubs da oben haben, fehlt uns am Ende das Spielerpotenzial. Der Aufstieg des FV nützt allen. Ich freue mich auch, dass der FC Wangen in der Verbandsliga geblieben ist. Gerhard Schmitz hat hier tolle Arbeit geleistet, und wir haben deshalb wenigstens ein Derby.

Was macht die Entwicklung der Infrastruktur in Berg?

Müller: Wir haben schon große Schritte gemacht, auch mit Eigenleistungen und Sponsorengeldern. Ein Hauptspielfeld wurde gebaut, die Tribüne und ein drittes Trainingsfeld. Wir werden im August mit dem Bau des Kunstrasens beginnen und wir werden das Wintertraining auf dem Kunstrasen absolvieren. Am Ende gehören auch noch Dinge wie Zäune, WCs, ein Kiosk und so weiter dazu. Auch ein Teil der Sanierung des Vereinsheims steht noch an. Schließlich muss auch das Bild nach außen stimmen. Wir möchten das nächstes Jahr abschließen. Über sechs Jahre haben wir dann ein perfektes Sportgelände hergestellt. Alles zusammen kostet 1,5 Millionen Euro. Ungefähr die Hälfte davon stammt von der Gemeinde. Die andere Hälfte sind Eigenleistungen des Vereins und von Sponsoren sowie Zuschüsse vom WLSB. Auch Bürgermeister Helmut Grieb und der Gemeinderat haben harte Arbeit geleistet in den letzten Jahren, sie gehen unseren Weg mit. Wir mussten Vorleistungen bringen, aber die Gemeinde unterstützt uns jetzt vorbildlich.

Berg hat einen krassen Aufstieg von der Kreisliga in die Verbandsliga hingelegt, wo wollen Sie in Zukunft mit dem Verein hin?

Es geht darum, dass wir die Strukturen zu Ende bringen, vor allem was die Jugendarbeit betrifft. Wir wollen auch den Breitensport für unsere rund 1000 Mitglieder nicht vernachlässigen, das sehe ich als unsere soziale Verantwortung für die Gemeinde. Die erste Fußball-Mannschaft bleibt aber unser Aushängeschild. Wenn man solide arbeitet, ist auch noch der Aufstieg in die Oberliga möglich. Vor der Oberliga hätten wir keine Angst. Aber wir werden unser System nicht ändern. Kameradschaft und Teamgeist müssen im Mittelpunkt stehen, um jeden Preis machen wir das nicht.

In die Regionalliga wollen Sie nicht?

Müller: Da muss man realistisch sein. Die Regionalliga ist eine ganz andere Nummer von der Infrastruktur und vom zeitlichen Aufwand. So was ginge nur als Gemeinschaftsprojekt im Schussental. Dazu müssen die Kräfte gebündelt werden. Ich bin mir sicher, wenn das nicht geschieht, wird die Regionalliga nicht kommen.

Wollen Sie mit Berg die Nummer eins im Schussental werden?

Müller: Es wäre ja schlimm, wenn man Sport macht und nicht die Nummer eins sein möchte. Aber darum geht es nicht. Wir wollen im Rahmen unserer Möglichkeit das Beste erreichen. Ich fände es besser, wenn noch mehr Vereine auf dieser Ebene spielen würden.