powered by stimme.de Ein Angebot von
stimme.de
Fußball in Baden-Württemberg
Freitag, 21. Juni 2013

Gefühle stehen vor dem Bruderduell hinten an

schwaebische.de


Gefühle stehen vor dem Bruderduell hinten an

Franz Leicht (Foto: Strohmaier)

BIBERACH / sz - Es gibt vermutlich Schöneres, als eines der wichtigsten Spiele der Trainerkarriere gegen den eigenen Bruder zu machen. Aber da müssen die beiden jetzt durch. Im Relegationsspiel um den letzten freien Platz in der Fußball-Landesliga zwischen dem SV Birkenhard und dem SV Bad Buchau (Anpfiff Sonntag, 17 Uhr, Biberacher Stadion) stehen Jörg und Franz Leicht gemeinsam an der Linie und doch mit völlig verschiedenen Interessen. „Wir werden wohl beide während des Spiels keine Rücksicht auf den anderen nehmen. Dazu sind wir beide professionell genug“, beschreibt Jörg Leicht seine Gefühle vor dem Bruderduell.

Jörg ist mit 40 Jahren das Nesthäkchen von insgesamt sechs Brüdern in einer fußballverrückten Familie. „Jeder von uns hat sich als Spieler versucht, Trainer sind nur Franz und ich geworden.“ Und das mehrere Male beim SV Birkenhard. Beide haben sehr erfolgreich bei diesem Verein gearbeitet. Schon allein deshalb ist es fast Ironie des Schicksals, dass sich beide jetzt in einem Spiel um alles oder nichts gegenüberstehen. Vor allem Jörg Leicht hat an dieser Partie zu knabbern. „Seit Mitte der Woche beschäftige ich mich mit diesem Spiel und die Anspannung wächst stündlich.“ Für Jörg Leicht ist es nicht nur das Relegationsspiel, sondern vorerst auch das letzte als Trainer. Und das nicht nur bei seinem SV Birkenhard. „Ich werde in den kommenden Jahren völligen Abstand vom Fußball haben und mich anderen Dingen widmen“, gibt der 40-Jährige ganz offen Motivationsprobleme im Umgang mit dem runden Leder zu.

Was natürlich erst ab Sonntagabend gilt. Vorher gilt die gesamte Konzentration diesem einen Spiel – diesem Endspiel. Jörg Leicht nimmt die Favoritenrolle für seine Mannschaft an, nicht nur weil Birkenhard eben eine Klasse höher gespielt hat: „Wir haben in der Rückrunde der Landesliga 26 Punkte geholt und waren damit unter den besten Teams und zweitens ist die Kluft zwischen Landes- und Bezirksliga doch größer als manche glauben.“

Das ist genau das, was Franz Leicht seiner Mannschaft ausreden muss. Seit knapp sechs Wochen coacht Franz Leicht die Kurstädter und hat sie dann doch noch auf den zweiten Platz in der Bezirksliga Donau geführt – hinter dem am Ende unangefochtenen Meister aus Ostrach. Die Wahrscheinlichkeit übrigens, dass Franz Leicht auch in der kommenden Saison Trainer in Buchau ist, scheint nach eigener Aussage relativ groß – unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

In der Relegation wurden Haisterkirch und Achstetten ausgeschaltet. Jetzt soll der große Coup Aufstieg in die Landesliga gelingen, auch wenn der SV Bad Buchau sicher der Außenseiter ist. Buchau wird vermutlich defensiver agieren als in den bisherigen Spielen und versuchen, den Gegner kommen zu lassen, sagt der Trainer: „Wir haben eine gute Mannschaft mit überdurchschnittlichen Spielern und hätten uns schon in den ersten Runden das Nachsitzen ersparen müssen“, glaubt Franz Leicht an die Chance, Birkenhard schlagen zu können. Ausgerechnet Birkenhard. Dort, wo der 47-Jährige schon dreimal Trainer war und viel erlebt hat. „Meine Emotionen sind nicht so wichtig. Wir brauchen eine sportliche Lösung und die wird es am Sonntag geben“, gibt Franz Leicht dann doch zwischen den Zeilen zu, dass er mit diesem Spiel gefühlsmäßig zu kämpfen hat. Verdrängen und gut Vorbereiten seien angesagt. „Die Situation ist sicher nicht einfach, aber es ist halt so.“

Beide Trainer reden viel mit ihren Mannschaften, auch gerade wegen der besonderen Situation. „Es wäre schon sehr arg, mit Birkenhard absteigen zu müssen im letzten Spiel gegen den eigenen Bruder. Das würde mich sehr treffen“, sagt Jörg Leicht. Deshalb setzt er auf Sieg, glaubt an die eigene Stärke und die Stärke seiner Mannschaft. Wenn da nicht nur der Trainerfuchs Bruder Franz auf der Gegenseite wäre.

Von Michael Mader